Richtige Zeitpunkt zum barrierefreien Bauen?

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Wann ist der richtige Zeitpunkt zum barrierefreien Bauen?

Eines der Ziele der barrierefreien Bauweise ist es, Menschen mit Behinderung und altersbedingten Einschränkung eine selbstständige Lebensführung in ihren eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Dies bedeutet aber nicht, dass sich das barrierefreie Bauen ausschließlich an diesen Nutzerkreis richtet. In ihrem Vorwort formuliert die aktuelle Norm zum barrierefreien Bauen ausdrücklich, dass einige Anforderungen auch zu Nutzungserleichterung für weitere Personengruppen führen. Als Beispiel nennt die DIN unter anderem Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Kinder, groß- oder kleinwüchsige Personen und Menschen, die mit Gepäck oder dem Kinderwagen unterwegs sind. Wer seinen Alltag erleichtern und mehr Wohnkomfort erreichen möchte, der liegt mit der barrierefreien Bauweise aus diesem Grund ebenfalls richtig.

Barrierefreie Wohnungen © Marco2811, fotolia.com
Barrierefreie Wohnungen © Marco2811, fotolia.com

Sich für eine barrierefreie Immobilie zu entscheiden, ist daher zu jedem Zeitpunkt im Leben sinnvoll. Zumal das barrierefreie Bauen bei einer durchdachten Planung mit anderen zukunftsweisenden Bauarten wie der energiesparenden Bauweise gut kombinierbar ist. Voraussetzung ist jedoch, dass das Vorhaben finanzierbar ist und ein passender Bauort oder ein geeignetes Kaufobjekt gefunden worden ist.

Weiterhin gilt für jeden Bauherrn der Ratschlag: Wer heute nicht auf eine altersgerechte Bauweise achtet, für den kann das Haus später zur Kostenfalle werden. Sowohl der Umbau einer nicht barrierefreien Immobilie zu einem Zuhause ohne Barrieren als auch der Umzug in eine entsprechende Wohnung können im Zweifelsfall sehr kostenintensiv sein.

Zusammenfassend sprechen folgende Gründe dafür, zu jedem Zeitpunkt im Leben auf eine barrierefreie Bauweise zu setzen:

  • durch die Schwellenlosigkeit und großzügigen Raumabmessungen ist ein barrierefreies Zuhause auch bestens für Familien und Paare geeignet
  • Immobilien sind eine solide Altersvorsorge, besonders, wenn sie durch eine barrierefreie Gestaltung langfristig nutzbar sind
  • spätere Umbauarbeiten zu einem rollstuhlgerechten Eigenheim sind bei Beachtung der Anforderungen an den Standard »barrierefrei« aus der Norm zum barrierefreien Bauen jederzeit möglich
  • viele der Fördermöglichkeiten zum barrierefreien Bauen können auch ohne vorliegende Behinderung und in jungen Jahren in Anspruch genommen werden
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Schrittweise Umsetzung der barrierefreien Bauweise

Die Anforderungen an das Wohnen ändern sich im Laufe des Lebens und sind von den individuellen Lebensumständen abhängig. Im Idealfall lassen sich die eigenen vier Wände jeder neuen Anforderung und jedem veränderten Bedürfnis des Bewohners anpassen. Eine Strategie, um die Wohnung auf diese Weise zu gestalten, ist die barrierefreie Bauweise. Flexible Wohnungsgrundrisse und die Ausführung der Arbeiten in einer anpassbaren Bauart können die Wandlungsfähigkeit der Wohnung zusätzlich steigern. Die Umsetzung der Vorgaben aus der Norm zum barrierefreien Bauen muss dabei nicht vollständige in einer Baumaßnahme erfolgen. Stattdessen ist es möglich, wenn in der ersten Bauphase bestimmte Anforderungen eingehalten werden, die Wohnung schrittweise und je nach Erfordernis an die sich wandelnden Bedürfnisse des Bewohners anzupassen. Entscheidet man sich in einer frühen Lebensphase für eine barrierefreie Immobilie, kann man diese hierdurch ein Leben lang bis ins hohe Alter uneingeschränkt nutzen.

Baukosten niedrig halten © Gina Sanders, fotolia.com
Schrittweise Umsetzung der barrierefreien Bauweise © Gina Sanders, fotolia.com

Die schrittweise Aufteilung der Anpassungsarbeiten kann dabei in drei Bauphasen erfolgen:

Bauphase 1: Wohnkomfort erhöhen

Die Bauphase 1 beginnt ab dem Zeitpunkt, an dem man sich für die Errichtung oder den Erwerb einer eigenen Wohnimmobilie entscheidet. Bei vielen Menschen ist es der Zeitpunkt, in dem man eine Familie gründet und Kinder einer Rolle spielen oder man als Paar zusammenleben möchte. Mehr Komfort und die individuelle Selbstverwirklichung in den eigenen vier Wänden stehen hier im Vordergrund. In dieser Phase wird allerdings auch das Fundament für die spätere Umbaubarkeit und Anpassbarkeit der Wohnung gelegt. Bauelemente und Bauteile, die im Nachhinein nur mit viel Aufwand barrierefrei umgebaut werden können, sollten schon zu diesem Zeitpunkt nach den Prinzipien der Barrierefreiheit errichtet sein. Auch auf die Nachrüstbarkeit von Hilfsmitteln wie Stütz- und Haltegriffen, einem Treppenlift oder einer intelligenten Haustechnik sollte geachtet werden. In dieser Lebensphase profitieren die Bewohner vom Wohnkomfort, dem erhöhten Platzangebot und der Gebrauchsfreundlichkeit, die eine barrierefreie Wohnung bietet. Gerade jungen Familien mit Kleinkindern kommt dies zugute.

Architektur Pläne © Franck Boston, fotolia.com
In der Bauphase sollte bereits an später gedacht werden © Franck Boston, fotolia.com

Folgende Elemente sind die Basis eines barrierefreien Zuhauses und erhöhen den Wohnkomfort sowie die Sicherheit:

  • ebenerdige Bauweise ohne Türschwellen, Stufen und Versätze im Bodenbelag
  • gut passierbare Türöffnungen mit einer lichten Breite von ca. 90 cm
  • Montagehöhe von Bedienelementen wie Schalter und Türgriffen auf ca. 85 cm
  • ebenerdiger, geräumiger Duschbereich in einem großzügigen Bad
  • fernsteuerbare, vernetzte und intelligente Haustechnik

Bauphase 2: Umnutzung von Flächen

Wer zum Zeitpunkt der Familiengründung eine eigene Immobilie anschafft, stimmt diese hinsichtlich der Nutzbarkeit und Größe oft auf die Bedürfnisse in dieser Lebensphase ab. Die Bauphase 2 beginnt in der Regel mit dem Auszug der Kinder bzw. an dem Tag, an dem sich der Platzbedarf der Bewohner verringert. In einem Einfamilienhaus, in dem die Schlafzimmer in der Regel in den Obergeschossen liegen, kann es schon zu diesem Zeitpunkt sinnvoll sein, die privaten Wohnbereiche ins Erdgeschoss zu verlagern. Ist der Eingangbereich des Hauses so geplant, dass mit wenig Aufwand zwei abgeschlossene Wohneinheiten in den jeweiligen Geschossen entstehen können, ist es möglich, das Obergeschoss zu vermieten. Diese Trennbarkeit muss allerdings schon in der ersten Bauphase mitbedacht werden. Im Geschosswohnungsbau existieren mittlerweile auch Wohnprojekte, bei denen nutzungsoffene Zimmer einzelnen Wohnungen zugeordnet werden können. Wenn kein Bedarf mehr besteht, können diese vom eigenen Bereich abgekoppelt werden.

Bauphase 3: Barrierefrei umbauen

Während in der Bauphase eins und zwei besonders auf eine nutzungsoffene und flexible Gestaltung wert gelegt werden sollte, steht in der dritten Bauphase die Anpassung der Wohnung an die aktuellen Bedürfnisse des Bewohners im Mittelpunkt. Diese Bauphase beginnt im Grunde damit, dass der Betroffene in der Wohnung nicht mehr selbstständig zurechtkommt, trotz der barrierefreien Gestaltungsmaßnahmen aus dem ersten Bauabschnitt. Um ihm ein eigenständiges Leben zu ermöglichen, ist die Integration von zusätzlichen Hilfsmitteln notwendig. Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt vom individuellen Zustand des Betroffenen ab. Beispielsweise erfolgt jetzt der Einbau eines Treppenlifts oder die Montage von Stütz- und Haltegriffen. Dank der barrierefreien Planung in der ersten Bauphase mit Berücksichtigung einer schnellen Nachrüstbarkeit sind diese Umbauten mit wenig Kosten- und Zeitaufwand möglich.

Treppenlift © Ingo Bartussek, fotolia.com
Treppenlift © Ingo Bartussek, fotolia.com

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