Arten von Behinderungen

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Barrierefreie Bauen: Arten von Behinderungen

Nicht jedem Menschen sieht oder merkt man seine Behinderung an. Wie viele Menschen allerdings von mehr oder weniger starken Einschränkungen, verursacht durch eine körperliche oder geistige Behinderung, betroffen sind, zeigen die erhobenen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Neben diesen Hintergrundinformationen geben wir Ihnen einen Überblick, der verschiedenen Arten und Auswirkungen einer Behinderung. Entdecken Sie, wie eine umfassende Gestaltung der Umwelt allen Bürgern uneingeschränkten Zugang und Teilhabe ermöglicht.

Schwerbehindertenhausweis © Doris Heinrichs, stock.adobe.com
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Demnach waren in Deutschland zu diesem Zeitpunkt circa 7,5 Millionen Menschen – also fast jeder Zehnte – als schwerbehindert gemeldet: Zum Jahresende 2021 lebten in Deutschland rund 7,8 Millionen Schwerbehinderte, fast ein Viertel davon, älter als 64 Jahre. Diese Zahl erfasst allerdings nur die Personen, die damals in Besitz eines Schwerbehindertenausweises waren. Da nicht jeder Behinderte ein solches Dokument beantragt und auch erst ab einem Grad der Behinderung von 50 Prozent dazu berechtigt ist, liegt die reelle Anzahl von Personen mit Behinderung in Deutschland vermutlich deutlich höher. Ebenfalls nicht lückenlos erfasst sind Menschen, die durch einen Unfall oder eine Krankheit nur für einen gewissen Zeitraum eingeschränkt sind.

Die hohe Anzahl an Betroffenen macht die Integration dieser Mitmenschen und den Erhalt ihrer Selbstständigkeit zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und umfasst alle Lebensbereiche. Hier leistet die barrierefreie Bauweise besonders für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder Hör- und Seebehinderungen, aber auch für Senioren mit einer eingeschränkten Beweglichkeit einen wichtigen Beitrag. Je nach Art und Grad der Behinderung sind diese Menschen allerdings auf unterschiedliche Hilfsmittel und Unterstützungen angewiesen.

Einschränkungen der Gesundheit und damit der Empfindlichkeit gegenüber Barrieren können viele Ausprägungen haben © Robert Kneschke, stock.adobe.com
Einschränkungen der Gesundheit und damit der Empfindlichkeit gegenüber Barrieren können viele Ausprägungen haben © Robert Kneschke, stock.adobe.com

Was ist eine Behinderung?

Zu den Behinderungen werden alle Arten von Einschränkungen gezählt, die das Denk-, Lern-, Sprach-, Verhaltens- oder Wahrnehmungsvermögen beeinträchtigen. Eine rechtsgültige Definition für Deutschland liefert § 2 Absatz 1 des Neunten Sozialgesetzbuchs (SGB IX), laut dem Menschen als behindert gelten, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Auf welche Leistungen die Betroffenen ab welchem Grad der Behinderung in diesem Fall Anspruch haben, regelt ebenfalls das Neunte Sozialgesetzbuch.

Die Arten von Behinderungen lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

  • Körperliche Behinderungen, z. B. motorische Einschränkungen, Beeinträchtigungen der Seh-, Hör- und Sprachfähigkeit, chronische Krankheiten
  • Geistige Behinderungen, z. B. Lernbehinderungen, gestörte kognitive Fähigkeiten, stark unterdurchschnittliche Intelligenz
  • Seelische Behinderungen, z. B. Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Suchtkrankheiten, Psychosen

So unterschiedlich wie die Art und die Schwere eine Behinderung sind auch deren Ursachen. Einige bestehen von Geburt an, andere werden erst durch einen Unfall oder eine Krankheit im Laufe des Lebens erworben. Besonders im hohen Lebensalter kommen viele Faktoren zusammen, die den Betroffenen auf mehrfache Art und Weise einschränken. Niemand kann sich daher sicher sein, wann und ob ihn ein solches Schicksal trifft. Zu den unterstützenden Maßnahmen gehören entsprechende Therapien, medizinische Behandlungen und die Pflege und Betreuung von Menschen mit Handicap, die nicht alleine zurechtkommen.

Wichtig:
Eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung kann jeden treffen. Viele Behinderungen werden erst im Lauf des Lebens durch Erkrankungen, Unfälle oder den Alterungsprozess erworben.
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Auswirkungen auf die Gestaltung der Umwelt

Die barrierefreie Gestaltung der Umwelt richten sich vor allem an Menschen, die durch eine körperliche Behinderung in ihrer Mobilität und Selbstständigkeit eingeschränkt sind. Hiervon sind nicht nur Menschen mit Funktionsstörungen des Bewegungsapparates betroffen, sondern auch Seh- und Hörbehinderte. Je nach Art der Körper- oder Sinnesbehinderung stellen die Betroffenen verschiedene Ansprüche an das gebaute Umfeld. So sind beispielsweise Treppen und Schwellen für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, unüberwindbare Hindernisse. Für Personen mit einem eingeschränkten Sehvermögen wiederum sind kontrastarm gestaltete Hinweisschilder in kleiner Schrift kaum zu entziffern.

Auch Hörgeschädigte sind auf besondere technische Ausstattungen angewiesen, um sich im Alltag zu orientieren und am Leben teilhaben zu können. Teilweise kollidieren die Anforderungen der unterschiedlichen Nutzergruppen untereinander. Eine abgesenkte Bordsteinkante muss für einen Sehbehinderten mit Blindenstock eine bestimmte Höhe und Ausprägung haben, um ertastbar zu sein, darf aber für Rollstuhlfahrer keine Barriere darstellen.

Die baulichen Anforderungen von Menschen mit Körper- und Sinnesbehinderungen lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Eingeschränktes oder fehlendes Sehvermögen

  • Menschen mit eingeschränktem oder fehlendem Sehvermögen sind vor allem auf ihren Tast- und Hörsinn angewiesen. Wichtigstes Hilfsmittel ist der Blindenstock, der in der Fachsprache Weißer Langstock genannt wird. Dieser hilft dem Blinden, sich durch das Abtasten des Bodens ein dreidimensionales Bild von seiner Umgebung zu machen und so Hindernisse zu erkennen. Hierfür werden sogenannte Bodenleitsysteme wie zum Beispiel Rillen- oder Noppenplatten im öffentlichen Wegenetz eingesetzt, die mit Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfeldern als tastbare Wegmarkierung für Blinde dienen.

    Ist das Sehvermögen eingeschränkt oder fehlt ganz, erleichtern taktile Hilfen, zum Beispiel im Bodenbelag, die Orientierung © Michail Reschetnikow, stock.adobe.com
    Ist das Sehvermögen eingeschränkt oder fehlt ganz, erleichtern taktile Hilfen, zum Beispiel im Bodenbelag, die Orientierung © Michail Reschetnikow, stock.adobe.com

    Liegt nur ein eingeschränktes Sehvermögen vor, dienen farbliche Markierungen dazu, Barrieren wie Stufen, Kanten aber auch Glaswände zu erkennen. Erleichterung bei der Orientierung bietet eine kontrastreiche Gestaltung zwischen Wand, Boden und anderen Gegenständen. Eine gute Beleuchtung sorgt dafür, dass helle und dunkle Kontraste leichter erkannt werden. Die Aufschriften auf Hinweisschildern sollten zudem in einer ausreichenden Größe und in einer Kontrastfarbe zum Hintergrund gestaltet werden. Blinde können Beschriftungen lesen, wenn sie zusätzlich in der sogenannten Brailleschrift, einer ertastbaren Schrift aus Punktmustern, ausgeführt sind.

  • Eingeschränktes oder fehlendes Hörvermögen

  • Menschen mit eingeschränktem oder fehlendem Hörvermögen sind vor allem auf ihren Sehsinn angewiesen. Eine gute Beleuchtung erleichtert ihnen das Ablesen der Worte von den Lippen des Gesprächspartners bei einer Unterhaltung. Andere Informationen wie das Läuten einer Türklingel oder ein Warnsignal können z. B. durch Blitzleuchten sichtbar gemacht werden. Weiter Übertragungsmöglichkeiten bieten Vibrationssignale. Menschen, die schwerhörig, aber nicht taub sind, profitieren wiederum von einer guten Raumakustik, bei der störende Nebengeräusche durch einen guten Schallschutz vermindert werden.

    Für körperlich eingeschränkte Menschen gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, um die Beweglichkeit zu verbessern © alexlmx, stock.adobe.com
    Für körperlich eingeschränkte Menschen gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, um die Beweglichkeit zu verbessern © alexlmx, stock.adobe.com
  • Motorische Einschränkungen

  • Menschen mit motorischen Einschränkungen sind in den meisten Fällen auf Hilfsmittel in Form von Rollstühlen, Gehhilfen oder Krücken angewiesen. Durch die Nutzung der Hilfsgeräte und durch ihre allgemeine körperliche Verfassung verfügen sie über einen beschränkten Greifraum. Sehr niedrig oder sehr hoch angebrachte Objekte wie Schalter, Schränke und Handläufe sind für sie nur schlecht oder gar nicht erreichbar. Dies muss bei der barrierefreien Planung berücksichtigt werden. Ebenfalls steigt durch den Rollstuhl oder eine Gehhilfe der Platzbedarf dieser Menschen, um sich frei bewegen zu können. Alle Formen von Schwellen, wie einzelne Stufen und Treppenanlagen sind im besten Fall zu vermeiden oder durch Rampen oder Lifte barrierefrei zu gestalten.

Höhenverstellbare Pflegebetten erleichtern dem Benutzer das Ein und -Aussteigen und den Pflegenden die Handhabung © Robert Kneschke, stock.adobe.com
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