Wohnberatung: Wohnen im Alter

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Wohnen im Alter – Bewertungskriterien und Wohnberatung

Aufgrund des umfangreichen Angebots an Wohnformen gelingt es heute, barrierefreies Wohnen bedarfsgerecht und individuell zu gestalten. Gerade die große Auswahl erschwert allerdings für den Betroffenen die Entscheidung, welches Konzept für sie das richtige ist. Sorgfalt bei der Entscheidungsfindung ist umso wichtiger, da der Entschluss für eine Immobilie, aufgrund der finanziellen Belastung und der Ausrichtung des kompletten Lebens hierauf, auf Dauer anlegt ist.

Wohnberatung © Robert Kneschke, fotolia.com
Wohnberatung © Robert Kneschke, fotolia.com

Gerade, wer im höheren Lebensalter noch mal umzieht, für den gilt, dass die Wohnung anpassbar an die mögliche Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands sein sollte. Für diese Lebensphase eignen sich im Besonderen barrierefreie Wohnungen, Wohnanlage nach dem Konzept des betreuten Wohnens oder alternative Wohnformen wie das Generationenwohnen oder Seniorenwohngemeinschaften. Diese sind auf die speziellen Bedürfnisse von Senioren abgestimmt und haben unterschiedliche Vor- und Nachteile.

Wohnformen für das selbstständige Wohnen im Alter:

1. Wohnen in einer barrierefreien Wohnung

Vorteile:

  • barrierefreie Ausstattung und Bauweise ermöglichen auch bei körperlichen Einschränkungen selbstständige Haushaltsführung und unabhängiges Leben
  • gewohntes Umfeld bleibt auch bei körperlichen Einschränkungen und Pflegebedarf erhalten
  • keine Abstimmung mit anderen Bewohnern und somit freie Lebensgestaltung
  • bei Pflegebedarf erleichtert die barrierefreie Ausstattung und Bauweise die Pflege und verringert den Bedarf an Unterstützung

Nachteile:

  • höherer Flächenbedarf durch notwendige Bewegungsflächen für Menschen mit Gehhilfen oder im Rollstuhl. Dies führt zwangsläufig zu mehr Wohnfläche und damit zu höheren Kauf- und Mietpreisen
  • bei Pflegebedarf funktioniert eine ambulante Pflege nur, wenn entsprechende Dienstleister in der Nähe vorhanden sind und organisiert bzw. finanziert werden können
  • die Gefahr der Vereinsamung ist gerade für allein lebende Menschen im Alter sehr hoch

2. Wohnen in einer betreuten Wohnanlage

Vorteile:

  • Pflege und Betreuung müssen im Bedarfsfall nicht umständlich organisiert werden, sondern sind Teil des Wohnkonzepts und anpassbar an die individuellen Bedürfnisse
  • Wohnungen sind durch ihre baulichen Voraussetzungen und die altersgerechte Ausstattung auf die Bedürfnisse von Menschen im hohen Lebensalter abgestimmt
  • Wohnanlage wird von Menschen in ähnlicher Lebenssituation bewohnt. Hierdurch werden soziale Kontakte und das Gemeinschaftsleben gefördert

Nachteile:

  • Angebote für das Wohnen in einer betreuten Wohnanlage existieren nicht überall. Ein Umzug in eine andere Stadt und damit der Verlust des gewohnten Umfelds muss unter Umständen in Kauf genommen werden
  • Wenig Kontakt zu anderen Generationen, da die Wohnanlagen meist auf Senioren als Nutzergruppe ausgerichtet sind
  • keine freie Wahl des Pflegedienstleisters, da bei dieser Wohnform in der Regel eine vertragliche Bindung an einen bestimmten Anbieter existiert

3. Generationswohnen und Senioren-WGs

Vorteile:

  • Gemeinschaftsleben mit anderen Senioren fördert soziale Kontakte und beugt Vereinsamung vor
  • Wohnkonzepte sind auf die speziellen Bedürfnisse von älteren Menschen ausgerichtet
  • Gegenseitige Unterstützung und gemeinschaftliche Aktivitäten sind Teil dieser Wohnformen

Nachteile:

  • Unterschiedliche Charaktere treffen aufeinander und müssen sich durch die gemeinschaftliche Nutzung der Räumlichkeiten abstimmen, dadurch hohes Konfliktpotenzial
  • bei Anspruch auf Pflegegeld durch eine vorliegende Pflegestufe muss im Einzelfall geklärt werden, ob die Pflegekasse das jeweilige Wohnkonzept unterstützt
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Wohnungsanzeigen für barrierefreien Wohnraum richtig lesen

Barrierefreie Wohnungen bieten zahlreiche Vorteile. Im ersten Schritt müssen sie aber erst mal gefunden und hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit richtig bewertet werden. Mieter oder Käufer, die sich für barrierefreien Wohnraum interessieren, stoßen schon beim Blick in die entsprechenden Immobilienanzeigen auf Probleme. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum versuchen zahlreiche Anbieter von Immobilien, ihr Wohnungsangebot diesem Trend anzupassen. Die wachsende Nutzergruppe der barrierefreien Immobilien soll mit Attributen wie seniorengerecht, altersgerecht oder barrierenreduziert in den Wohnungsbeschreibungen angesprochen werden. Diese Begriffe sowie die Kennzeichnung einer Wohnung als barrierearm oder schwellenlos sind allerdings nicht gesetzlich definiert. Solche Wohnungen weisen häufig nur einzelne Merkmale der barrierefreien Bauweise wie eine bodengleiche Dusche oder einen rollstuhlgerechten Aufzug auf.

Immobilien Anzeige © Eisenhans, fotolia.com
Immobilien Anzeige © Eisenhans, fotolia.com

Mehr Sicherheit bieten Wohnungen, die als barrierefrei und rollstuhlgerecht ausgezeichnet sind. Diese Begriffe sind durch die aktuelle Norm zum barrierefreien Bauen gesetzlich definiert. Der Käufer oder Mieter hat damit einen Anspruch darauf, dass der Wohnraum entsprechend den Vorgaben aus der Norm zum barrierefreien Bauen geplant, gebaut und ausgestattet ist. Zu unterscheiden ist zwischen einer barrierefreien und einer rollstuhlgerechten Gestaltung. Wohnung für Rollstuhlfahrer müssen noch größere Bewegungsflächen aufweisen, um vom Bewohner uneingeschränkt genutzt werden zu können.

Nicht nur in der Immobilienanzeige sollte die Barrierefreiheit der Wohnung ausdrücklich durch die Begriffe barrierefrei oder rollstuhlgerecht gekennzeichnet sein, wichtig ist auch die Vereinbarung der entsprechenden Gestaltungsmerkmale im Kauf- oder Mietvertrag. Am besten ist hier eine Einzelauflistung der barrierefreien Ausstattung. Wichtige Punkte sind ein barrierefreies Bad, genügend Bewegungsflächen in allen Wohnräumen und ausreichende Durchgangsbreiten innerhalb der Wohnung sowie die schwellenlose Zugänglichkeit von der Grundstücksgrenze über den Eingangsbereich bis hin zur Wohnungstür.

Schon vor dem ersten Besichtigungstermin sollten Wohnungsinteressenten sich die typischen Ausstattungsmerkmale einer barrierefreien Wohnung. beispielsweise anhand der Normen oder entsprechender Fachliteratur, vergegenwärtigen. Hilfreich ist auch eine Besichtigung vor Ort mit einem sachkundigen Berater, der die Barrierefreiheit der Immobilie bewerten kann.

Hilfe bei der barrierefreien Wohnungsanpassung durch Wohnberatung

Gerade die barrierefreie Bauweise zielt darauf ab, dass Bewohner auf lange Sicht und auch bei eintretenden körperlichen Beeinträchtigungen in ihrer Immobilie wohnen bleiben können. Dies funktioniert aber nur, wenn die Wohnung und deren Zugänglichkeit konsequent nach den Grundsätzen der Barrierefreiheit errichtet sind oder angepasst werden können. Um dies festzustellen, existieren für den Laien entsprechende Beratungsangebote. Zahlreiche Wohnberatungsstellen haben sich auf die Beratung von Wohnungssuchenden auf dem Weg zum eigenen barrierefreien Zuhause spezialisiert. Orientierung auf der Suche nach einer passenden Wohnberatung vor Ort bietet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V..

Beratung bei Wohnungsanpassungen © Rido, fotolia.com
Beratung bei Wohnungsanpassungen © Rido, fotolia.com

Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Wohnberatern und Wohnberatungsstellen aus ganz Deutschland, die sich für das selbstständige Wohnen älterer und behinderter Menschen in ihren Wohnungen einsetzen. Im Mittelpunkt der Beratung steht die Anpassung von bestehendem Wohnraum an die geänderten Bedürfnisse. Alle Mitglieder dieser Arbeitsgemeinschaft haben sich hohen Standards verpflichtet, besonders was die Qualität der Beratung betrifft. Auf ihrem Online-Portal (http://www.bag-wohnungsanpassung.de/wohnberatungsstellen.html) bietet die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. eine Adressliste mit Wohnberatungsstellen in ganz Deutschland, sodass eine Beratung in Ortsnähe stattfinden kann.

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