Wohnungsanpassung

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Wohnungsanpassung – Abbau von Barrieren

Die eigenen vier Wänden bilden für ihren Bewohner den privaten Rückzugsraum. Für viele Menschen ist das Zuhause der Ort, an dem sie sich selbst verwirklichen, indem sie die Wohnung nach ihrem persönlichen Geschmack gestalten. Eine individuelle Anpassung der Wohnräume an den Nutzer ist umso wichtiger, wenn dieser mit den standardisierten Ausstattungs- und Gestaltungsmerkmalen einer konventionellen Wohnungseinrichtung nicht bedingungslos zurechtkommt.

Vorausschauend planen beim Hausbau © Marina Lohrbach, fotolia.com
>Wohnungsanpassung sollten gut geplant werden © Marina Lohrbach, fotolia.com

Spezielle Bedürfnisse haben vor allem Menschen mit körperlichen Einschränkungen, da sie zum einen häufig auf Mobilitätshilfen angewiesen sind und daher einen erhöhten Platzbedarf haben, um sich bewegen zu können. Zum anderen verfügt diese Nutzergruppe teilweise über eingeschränkte Greifräume und verminderte Muskelkraft, was eine angepasste Anordnung und Ausbildung von Griffen, Schaltern und Stauraummöglichkeiten erforderlich macht.

Der Umbau von Wohnraum zu einer barrierefreien Wohnung wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Wohnungsanpassung oder Wohnraumanpassung bezeichnet. Hierzu gehört auch die Beratung bei einer solchen Maßnahme durch entsprechende Wohnberatungsstellen. Welche Veränderungen durchführbar sind, ist von den finanziellen Möglichkeiten sowie den vorhandenen Gegebenheiten innerhalb der Wohnung abhängig. Sowohl Einzelmaßnahmen, wie der barrierefreie Umbau des Bades, als auch die Anpassung aller Wohnräume, Bau- und Ausstattungselemente an die Bedürfnisse eines körperlich eingeschränkten Menschen können Gegenstand einer Wohnungsanpassung sein.

Ziele und Nutzen einer Wohnungsanpassung

Nicht nur im Hinblick auf das begrenzte Angebot an barrierefreiem Wohnraum ist die Anpassung eines bestehenden Wohngebäudes an die Anforderungen des barrierefreien Bauens sinnvoll. Die Barrierefreiheit einer Wohnung stellt mittlerweile ein Qualitätsmerkmal da, da sie dazu beträgt, dass jeder Bewohner die Räume und die Ausstattung selbstständig nutzen kann. Immer geht es dabei darum, die individuellen Bedürfnisse des derzeitigen Nutzers möglichst umfassend zu berücksichtigen, gleichzeitig aber die uneingeschränkte Nutzbarkeit der Immobilie durch zukünftige Bewohner mit einzubeziehen. Einige Maßnahmen, die spezielle auf den aktuellen Bewohner zugeschnitten sind, sollten also rückgebaut werden können. Genauso wichtig ist es, während des Umbaus Vorbereitungen für eventuelle Nachrüstarbeiten zu treffen.

Tipp: Um eine Wohnung anpassbar an unterschiedliche Bewohner zu gestalten, bieten sich flexible Bauweisen wie die Trockenbauweise an. Wände aus Trockenbauelementen können schnell errichtet aber auch ohne großen Aufwand wieder zurückgebaut werden.
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Folgende Ziele kann eine barrierefreie Wohnungsanpassung haben:

Ziel 1: Umzug vermeiden

In eine neue Wohnung umziehen zu müssen, weil man im bisherigen Zuhause nicht mehr selbstständig zurechtkommt, das bringt nicht nur wegen des Umzugs viele Unannehmlichkeiten mit. Gerade Menschen im hohen Alter haben oft ganze Lebensabschnitte an einem Ort und in einer Immobilie verbracht. Sich von ihrem Zuhause zu trennen, bedeutet für sie daher auch den Verlust des sozialen Umfeldes. Nicht jeder Mensch kommt mit so einer Situation zurecht. Im schlimmsten Fall wirkt sich ein Umzug negativ auf die Psyche aus, was bei vielen Menschen wiederum einen ungünstigen Einfluss auf die körperliche Verfassung haben kann. Bei der Wohnraumanpassung geht es daher darum, durch gezielte Umbaumaßnahmen einen Umzug zu vermeiden oder zumindest hinauszuzögern. Bleibt die Selbstständigkeit des Betroffenen hierdurch lange erhalten, ist dieser weniger auf Unterstützung angewiesen. In letzter Konsequenz wird hierdurch auch das Gesundheitssystem und damit die Allgemeinheit weniger belastet.

Ziel 2: Gefahrenquellen abbauen

Dass viele Unfälle im eigenen Zuhause stattfinden, gilt besonders für Menschen, die körperlich eingeschränkt sind. Gerade ältere Personen haben gleich mit mehreren Schwierigkeiten zu kämpfen. Oft kommt zu einer begrenzten Beweglichkeit und Mobilität auch noch ein beeinträchtigtes Seh- oder Hörvermögen und eine sich verschlechternde Motorik und Orientierung hinzu. Hierdurch können selbst kleine Schwellen in der Wohnung wie Teppichkanten zur Stolperfalle werden. Auch Altersdemenz oder verminderte geistige Fähigkeiten spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, da beides dazu führen kann, dass die Betroffenen beispielsweise das Ausdrehen des Wasserhahns oder das Abschalten des Herdes vergessen.

Stolperfalle Teppichkante © Picture Factory, fotolia.com
Stolperfalle Teppichkante © Picture Factory, fotolia.com

Sicherheitseinrichtungen, wie sie im Zusammenhang mit dem altengerechten Wohnen empfohlen werden, können eine Lösung sein. Zu nennen sind unter anderem Brandmelder und eine Herdabschaltautomatik. Der Abbau von Schwellen und die Vermeidung von scharfen Stoßkanten an Türen und Einrichtungsgegenständen tragen ebenfalls zur Sicherheit bei. Sowohl für Menschen mit schlechter Orientierung als auch für Bewohner mit vermindertem Sehvermögen ist eine kontrastreiche Gestaltung innerhalb der Wohnung sinnvoll, da dies sowohl das Erkennen eines Gegenstandes als auch das Wiedererkennen erleichtert.

Ziel 3: Wohnkomfort steigern

Die barrierefreie Bauweise richtet sich nicht nur an Menschen mit körperlichen Einschränkungen, sondern hat zum Ziel, die Nutzbarkeit der gebauten Umwelt für alle zu steigern und positiv zu beeinflussen. Von einem barrierefreien Umbau profitieren daher nicht nur behinderte Nutzer und Menschen mit Alterseinschränkungen. Wohnungen, die entsprechend der Norm zum barrierefreien Bauen, keine Schwellen und viele Bewegungsflächen aufweisen, bieten beispielsweise auch für Familien mit Kindern viel Komfort. Gerade der Verzicht auf Stufen und Schwellen verhindert auch bei körperlich gesunden Menschen Unfälle durch Unachtsamkeit und mindert für kleine Kinder die Verletzungsgefahr beim Spielen. Ein Musterbeispiel dafür, dass die barrierefreie Bauweise Komfort für alle bietet und dabei die Selbstständigkeit von körperlich eingeschränkten Menschen erhöht, ist die bodengleiche Dusche. Mehr und mehr setzen sich geräumige Bäder mit schwellenlos begehbaren Duschbereichen daher auch in konventionellen Wohnungen durch.

Bodengleiche Dusche © Villeroy & Boch
Komfort durch bodengleiche Dusche steigern © Villeroy & Boch

Ziel 4: Wert der Immobilen steigern

Die Wohnraumanpassung hat auch wirtschaftliche Ziele. Denn, je größer die potenzielle Nutzergruppe einer Immobilie ist und je höher die Nachfrage nach einer speziellen Bauweise, desto höher liegt auch der Wert des Gebäudes. Durch den steigenden Bedarf nach barrierefreiem Wohnraum und die nutzungsoffene Gestaltung, die diese Bauweise mitbringt, bieten barrierefreie Immobilien beides. Auch beim Umbau eines bestehenden Gebäudes sollte daher immer versucht werden, ein Höchstmaß an Barrierefreiheit zu schaffen. Selbst, wenn das eigentliche Ziel der Sanierung beispielsweise eine energetische Aufwertung ist, lohnt es sich, die Aspekte des barrierefreien Wohnens immer mit einzubeziehen. Einzelmaßnahmen wie die Anbringung von Halte- und Stützgriffen müssen dabei nicht sofort umgesetzt werden, können allerdings im Rahmen des Umbaus vorbereitend angelegt werden.

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