Barrierefreier Umbau: Vorgehensweise

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Vorgehensweise bei einer barrierefreien Umbaumaßnahme

Wie bei jeder Baumaßnahme gilt auch bei einem barrierefreien Umbau der Grundsatz: Erst Planen, dann Bauen. Noch vor Beginn der Bauarbeiten ist es daher wichtig, sich in einem ersten Schritt Informationen über die barrierefreie Bauweise zu beschaffen, die Ziele der Maßnahme zu definieren und das vorhandene Gebäude umfassend auf seinen Zustand hin zu analysieren. Denn nur, wer die vorhanden Bausubstanz und Baustruktur mit dem entsprechenden Fachwissen im Hinterkopf sorgfältig prüft, kann die Ursache von Fehlern und Missständen erkennen und somit die richtige Methode zu deren Beseitigung wählen.

Barrierefreie Wohnungen © Marco2811, fotolia.com
Barrierefreie Wohnungen © Marco2811, fotolia.com

Sowohl zur Begutachtung des Istzustandes als auch zur Schaffung von Barrierefreiheit ist es außerdem empfehlenswert, fachliche Beratung in Anspruch zu nehmen, da jeder Altbau und jede Umbaumaßnahme mit individuellen Problemstellungen aufwartet. Folgende Erläuterungen zu den einzelnen Schritten helfen, bei einem Umbau zur Schaffung von Barrierefreiheit strukturiert vorzugehen.

Schritt 1: Auseinandersetzung mit der Norm zum barrierefreien Bauen

Mit der Norm zum barrierefreien Bauen haben sowohl Baulaien als auch Bauexperten einen Leitfaden in der Hand, der bezüglich der Barrierefreiheit von Bauwerken konkrete Anforderungen formuliert und Vorschläge zur Umsetzung macht. Die wichtigsten Forderungen aus der Norm betreffen den Verzicht auf jegliche Art von Schwellen sowie die Schaffung von Bewegungsräumen, die es auch Personen mit Mobilitätshilfen ermöglichen, in einer Wohnung selbstständig zurechtzukommen. Auch detaillierte Vorgaben, beispielsweise zur barrierefreien Badplanung, sind in der Norm zu finden.

Normen und Gesetze © Zerbor, fotolia.com
Normen und Gesetze © Zerbor, fotolia.com

Im Unterschied zu zahlreichen Neubaumaßnahmen im Wohnungsbau ist die Einhaltung der Norm bei einer Umbaumaßnahme im privaten Rahmen nicht verpflichtend. Allerdings formuliert die aktuelle Norm in ihrem Vorwort, dass die Anforderungen auch bei Umbaumaßnahmen und Modernisierungen sinngemäß angewendet werden sollen. Werden Fördermittel beantragt, ist die Einhaltung bestimmter maßlicher Vorgaben aus der Norm sogar Voraussetzung für die finanzielle Unterstützung. Einen guten Überblick über die Anforderungen und Ziele der barrierefreien Bauweise, die den Inhalt der Norm praxistauglich widerspiegelt, gibt die Website Nullbarriere.de.

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Schritt 2: Ziele der Umbaumaßnahme definieren

Gerade bei einem barrierefreien Umbau lassen sich aufgrund der vorgegebenen Baustruktur und Bausubstanz nicht alle persönlichen Wünsche und Vorstellungen des Bauherrn in vollem Umfang umsetzen. Umso wichtiger ist es, sich vor der Baumaßnahme bewusst zu machen, welche Ziele man mit dem Umbau verfolgt. Die Kombination von unterschiedlichen Zielstellungen sowie Vorüberlegungen zu Alternativen und Varianten ist dabei durchaus angemessen.

Barrierenreduziertes Eigenheim © Angela Stolle, fotolia.com
Ziele genau definieren z.B. barrierenreduziertes Eigenheim © Angela Stolle, fotolia.com

Ist die oberste Prämisse des Umbaus die Herstellung von Barrierefreiheit, ist es weiterhin sinnvoll, weitere Anforderungen, die den Wohnkomfort und den Wert der Immobilie steigern, mit einzubeziehen. Vor allem sollte geprüft werden, ob sich im Rahmen eines barrierefreien Umbaus zeitgleich Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz durchführen lassen. Dies ist von hoher Bedeutung, da der Energiestandard eines Gebäudes mittlerweile ein Hauptqualitätsmerkmal im Wohnungsbau darstellt und auch gesetzlichen Regelungen unterliegt. Hier hilft ein Blick in die aktuelle Energieeinsparverordnung.

Mögliche Fragestellungen, die sich untereinander ergänzen können, helfen eigene Ziele zu formulieren:

  • 1. Liegt beim Bewohner aufgrund seiner körperlichen Verfassung ein akuter Bedarf nach barrierefrei gestalteten Wohnräumen vor?

    Wenn ja, richtet sich der Umbau vor allem nach den individuellen Bedürfnissen des Nutzers. Menschen mit Mobilitätseinschränkungen benötigen vor allem viel Bewegungsspielraum und eine an ihre begrenzten Greifräume angepasste Einrichtung und Ausstattung. Von Sehschädigungen Betroffene brauchen hingegen ein spezielles Licht- und Farbkonzept sowie eine eindeutige Grundrissgeometrie, um sich orientieren zu können.

  • 2. Soll Barrierefreiheit geschaffen werden, um für den Fall vorzusorgen, dass man selbst an einem Zeitpunkt in der Zukunft von körperlichen Einschränkungen betroffen sein könnte?

    Hier gilt es, bei allen Umbaumaßnahmen zu unterscheiden, welche Maßnahmen einen hohen baulichen Aufwand erfordern und daher aufgrund der Effizienz möglichst zeitgleich erfolgen sollten und welche Einbauten und Ausstattungen sich problemlos zu einem später Zeitpunkt nachrüsten lassen. Sanitär- und Elektroinstallationen innerhalb von Wänden, Wandverstärkungen für spätere Einbauten und Raumabmessungen im Sinne der Barrierefreiheit sollten in jedem Fall in der ersten Umbauphase mitbedacht werden. Viel Komfort und Zukunftssicherheit bietet auch eine technische Ausstattung, die den Bewohner im Alltag unterstützt.

  • 3. Soll die Wohnung barrierefrei umgebaut werden, um der Immobilie ein zusätzliches Qualitätsmerkmal zu verleihen?

    In diesem Fall steht die Schaffung von barrierefreien Elementen und Ausstattungsmerkmalen im Vordergrund, die auch gesunden Bewohnern Wohnkomfort bieten. Schwellenlose Duschbereiche gehören genauso dazu wie die Nutzerfreundlichkeit aller Bedienelemente. Sind Möbel höhenverstellbar, ist dies nicht nur im Hinblick auf eine Nutzung aus dem Rollstuhl heraus sinnvoll. Mehrere Bewohner einer Wohnung mit unterschiedlicher Körpergröße können Arbeitsflächen, Tische und Oberschränke so ebenfalls auf ihre individuellen Bedürfnisse anpassen.

  • 4. Ist eine gesamte Modernisierung der Wohnung geplant, bei der Elemente der barrierefreien Bauweise mit einbezogen werden sollen?

    Wenn ja ist hier die Einbeziehung unterschiedlicher Fachleute besonders wichtig. Bei einer Komplettsanierung geht es nicht nur um die Behebung von Schönheitsfehlern, sondern um das Erkennen und Beseitigen von Schäden, die sich ausbreiten könnten und die Anpassung der Wohnung an den aktuellen technischen Standard. Die Maßnahmen müssen untereinander abgestimmt werden, was in der Regel Erfahrung mit Baumaßnahmen voraussetzt.

Tipp: Stehen die Ziele der Umbaumaßnahme fest, ist es sinnvoll sich über Finanzierungsmöglichkeiten Gedanken zu machen. Finanzielle Unterstützung für einen barrierefreien Umbau findet man beispielsweise bei der KfW-Bank, aber auch Länder, Städten und Kommunen bieten einzelne Förderprogramme.

Schritt 3: Bestandsanalyse der vorhandenen Bausubstanz

Eine Umbaumaßnahme ist umso sinnvoll, je mehr Schwachstellen an einem Gebäude in dessen Verlauf beseitigt werden. Schäden und Mängel vor dem eigentlichen Baubeginn aufzudecken, hat aber nicht nur den Zweck, die Baumaßnahme sorgfältig planen und durchführen zu können. Eine Bestandsanalyse, bei der die notwendigen Maßnahmen festgestellt werden, erleichtert auch eine erste Kostenschätzung und bietet so eine gute Grundlage, um über den Umfang des Umbaus mit Berücksichtigung des Baubudgets zu entscheiden.

Zustandsprüfung Bausubstanz © Verband Privater Bauherren
Zustandsprüfung Bausubstanz © Verband Privater Bauherren

Eine umfassende Bestandsanalyse besteht in der Regel zum einen aus einem detaillierten Aufmaß, das im Hinblick auf die Raumgrößen, Abmessungen und Einbauhöhen von Ausstattungselemente Aufschluss über die Baustruktur und Wohnungsgeometrie gibt. Wichtig ist es aber auch, die einzelnen Bauteile und Installationen auf ihren allgemeinen Modernisierungsbedarf und Zustand zu prüfen. Eine anschließende Dokumentation, die je nach Umfang der Untersuchung die Erstellung von Bestandsplänen mit einschließt, liefert eine Übersicht über mögliche, aber auch über unbedingt erforderliche Maßnahmen. Ratsam ist es, einen Baugutachter zu beauftragen, der auch im Bereich des barrierefreien Bauens Fachkompetenz nachweisen kann. Bei einer Bestandsanalyse mit dem Ziel, Barrierefreiheit zu schaffen sollte ein großes Augenmerk auf vorhandene Schwellen, Tür- und Durchgangsbreiten sowie Einbauhöhen von Schalter und Griffen gelegt werden.

Wichtig: Zu prüfen ist immer auch, ob für die einzelnen Umbaumaßnahmen gegebenenfalls Baugenehmigungen eingeholt werden müssen. Dies kann bei Eingriffen in die Statik des Gebäudes, beispielsweise dem Versetzen von Wänden, der Fall sein.

Schritt 4: Fachliche Beratung und Ansprechpartner finden

Umbaumaßnahmen werden heute aufgrund der erhöhten Anforderungen an Gebäude immer komplexer. Auch wenn hierdurch Zusatzkosten anfallen, ist das Hinzuziehen von Fachleuten daher in jedem Fall ratsam. Während Baugutachter und Statiker eher eine allgemeine Beurteilung abgeben können, findet man bei einem Architekten mit Referenzen im barrierefreien Bauen einen geeigneten Ansprechpartner für einen barrierefreien Umbau.

Wohnberatung © Dan Race, fotolia.com
Wohnberatung © Dan Race, fotolia.com

Die Websites der meisten Landesarchitektenkammer bieten entsprechende Auflistungen. Eine gute Anlaufstelle sind auch Wohnberatungsstellen für barrierefreie Wohnraumanpassungen, die deutschlandweit existieren. Beratungsstellen vor Ort findet man über die Website der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V.

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