Alternative Wohnformen

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Die Ansprüche von Senioren und Menschen mit Behinderungen an das Wohnen haben sich im Laufe der Zeit geändert. Inzwischen existieren viele Alternativen zur Unterbringung des Betroffenen in einem Pflegeheim. Diese Entwicklung hin zu neuen Wohnformen fußt zum einen auf dem Wunsch der Menschen, auch bei körperlichen Einschränkungen möglichst lange und umfassend selbstbestimmt zu leben. Zum anderen ist die ambulante Pflege im Gesundheitssektor auf dem Vormarsch, sodass Pflege und Betreuung relativ unabhängig von der Wohnsituation organisiert werden können. Dies zeigt sich auch im Anstieg der Wohnkonzepte nach dem Prinzip des betreuten Wohnens.

Wohnen im Alter © Spuno, fotolia.com
Wohnen im Alter © Spuno, fotolia.com

Besonders stark haben sich die Formen für das Wohnen im Alter verändert. Dank des medizinischen Fortschritts sind heute viele Menschen auch im hohen Lebensalter noch bei guter Gesundheit und somit oft erst sehr viel später auf eine ununterbrochene Pflege und Betreuung angewiesen. Darum stehen auch bei älteren Menschen bei der Auswahl einer geeigneten Wohnform eine hohe Lebensqualität und die Teilhabe an der Gesellschaft im Vordergrund. Zwischen dem Ausscheiden aus dem Berufsleben und dem Eintritt einer hohen Pflegebedürftigkeit liegen zudem teilweise große Zeitspannen, auf deren Gestaltung die neuen Wohnkonzepte abzielen.

Auswirkungen auf die neuen Wohnformen fürs Alter haben auch die Veränderungen der Familienstruktur. Statt in einem Haus oder in unmittelbarer Nähe zueinander zu wohnen, leben die Mitglieder einer Familie heute oft weit auseinander. Neue gemeinschaftliche Wohnkonzepte dienen hierbei als Alternative zum familiären Netz. Es existieren sowohl Wohnformen, in denen unterschiedliche Generationen ohne verwandtschaftliche Beziehungen zueinander unter einem Dach leben als auch Projekte, bei denen mehrere Senioren als eine Gruppe von Gleichgesinnten zusammenwohnen. Ziel dieser Wohnkonzepte ist es, sich im Alltag gegenseitig zu unterstützen und das Leben in Gemeinschaft zu verbringen.

Zwei Wohnformen haben sich in den letzten Jahren besonders stark verbreitet:

  • Projekte nach dem Konzept des Mehrgenerationenwohnens, bei denen Bewohner in unterschiedlichen Lebensphasen zusammenleben und wohnen
  • Haus- und Wohngemeinschaften, in denen ältere Menschen zusammenleben und bei Bedarf durch professionelles Pflegepersonal betreut werden

Generationenwohnen – Jung und Alt unter einem Dach

Ähnlich wie bei einer Großfamilie verfolgen die Bewohner eines Mehrgenerationenwohnprojekts das Ziel, den Alltag gemeinsam zu meistern und sich gegenseitig zu unterstützen. Vor allem die Anwesenheit unterschiedlicher Generationen bietet hierbei Vorteile. So kann die ältere Generation einen Teil der Kinderbetreuung übernehmen und bekommt hierdurch gleichzeitig eine Aufgabe, die für sie sinnstiftend sein kann. Auch die unterschiedlichen Lebenserfahrungen, die jede Generation mitbringt, sind für die Bewältigung vieler Alltagsprobleme nützlich.

Mehrere Generationen in einem Haus © Syda Productions, fotolia.com
Mehrere Generationen in einem Haus © Syda Productions, fotolia.com

Eine Vielzahl der Mehrgenerationenhäuser setzt auch auf die Integration von barrierefreien Gestaltungselementen. Dies ermöglicht das Zusammenleben von jungen Bewohnern und Senioren mit Alterseinschränkungen unter einem Dach. Das Prinzip der barrierefreien Wohnung kommt durch seine nutzerfreundliche Ausstattung auch Familien zugute und bietet durch das hohe Platzangebot besonderen Wohnkomfort. Bei vielen Projekten werden die späteren Bewohner schon bei der Planung der Wohnanlage aktiv und treten als Bauherrengemeinschaft auf. So entstehen Wohnhäuser, die den individuellen Anforderungen des Einzelnen aber auch den gemeinschaftlichen Zielen aller entsprechen. Im Falle, dass ein Bewohner schwerstpflegebedürftig wird oder an Demenz erkrankt, ist allerdings auch beim Mehrgenerationenwohnen der Umzug in eine entsprechende Pflegeeinrichtung ab einem bestimmten Zeitpunkt unvermeidbar.

Gemeinsames Wohnen im Alter – Seniorenwohngemeinschaften

Diese Wohnform ist etwas für Ältere, die das Zusammenleben mit Menschen ihrer Generation bevorzugen. Entsprechend ist dieses Konzept auch unter dem Begriff Seniorenwohngemeinschaft bekannt. Die Bewohner besitzen ähnliche Lebenserfahrungen und haben im besten Fall gemeinsame Interessen. Vor allem der Gefahr des Vereinsamens, die im Alter tendenziell größer wird, wirkt dieses Wohnkonzept entgegnen. Die Bewohner haben die Möglichkeit, sich regelmäßig auszutauschen und sich bei der Verrichtung von Alltagsaufgaben gegenseitig zu unterstützen.

Willkommen in der WG © Heidi Mehl, fotolia.com
Willkommen in der WG © Heidi Mehl, fotolia.com

Jedem Bewohner stehen private Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung, gleichzeitig existieren aber auch Räume zur gemeinschaftlichen Nutzung. Werden ein oder mehrere Bewohner pflegebedürftig, kann bis zu einem gewissen Grad der Pflegebedürftigkeit ein ambulanter Pflegedienst eingeschaltet werden. Wer sich für diese Wohnform entscheidet, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass Konflikte nicht ausgeschlossen sind, da in einer Wohngemeinschaft unterschiedliche Charaktere aufeinanderstoßen. Für das Gemeinschaftswohnen von Senioren gibt es unterschiedliche Varianten:

  • Senioren-Hausgemeinschaft: Bei diesem Konzept leben mehrere Senioren zusammen in einem großen Haus, in dem jeder eine eigene Wohneinheit mit Küche und Bad bewohnt, aber auch Gemeinschaftsräume existieren.
  • Senioren-Wohngemeinschaft: Wohngemeinschaften für Senioren finden in einer geräumigen Wohnung statt. Die Bewohner bewohnen je nach Platzangebot ein bis zwei Privaträume. Wohnzimmer, Essbereich und Küche werden gemeinschaftlich genutzt.
  • Pflege-Wohngemeinschaften: Diese Form des gemeinschaftlichen Wohnens wird aufgrund des integrierten Pflegekonzepts auch ambulant betreute Wohngemeinschaft genannt. Im Unterschied zur Senioren-WG werden der gesamte Haushalt und das Zusammenleben umfassend durch professionelle Pflegekräfte organisiert und gestaltet.

Alternative Wohnformen für das Alter in der Zukunft

Aufgrund der individuellen Wohnbedürfnisse von Senioren und der unterschiedlichen Pflegebedürftigkeit sind mittlerweile weitere Abwandlungen des derzeitigen Wohnens im Alter im Entstehen. In Anlehnung an das Mehrgenerationenhaus entwickeln sich vereinzelt auch Siedlungsformen, die dem Prinzip des Generationenwohnens folgen, aber im größeren Maßstab angelegt sind. Beispiel hierfür sind sogenannte Cohousing-Siedlungen, die sich seit den sechziger Jahren, vor allem in Nordeuropa, verbreitet haben. Auch hier steht ein ausgewogener Generationenmix im Vordergrund. Meist bewohnen die Mitglieder einzelne Häuser. Die Gemeinschaftsküche, ein Essbereich, eine Waschküche und je nach Größe der Siedlung auch Büroräume, Werkstätten, Fitnessbereiche oder Kindertagesstätten sind in eigenen Gebäuden zur gemeinschaftlichen Nutzung untergebracht. Die Siedlung ist Eigentum der Bewohner und wird selbst bewirtschaftet.

Eine weitere Entwicklung kann auf dem Markt der Einfamilienhäuser beobachtet werden. Hier hat sich in den letzten Jahren ein neuer Haustyp entwickelt, der dem Anstieg an Ein- und Zweipersonenhaushalten Rechnung trägt. Die als Single- oder Minihäuser bezeichneten Gebäude zeichnen sich durch eine geringe Grundfläche und flächensparende Grundrisslösungen aus. Sie richten sich nicht nur an Singles, Alleinerziehende und Paare, die trotz Kinderlosigkeit den Traum vom Einfamilienhaus leben wollen, sondern sind auch eine ideale Wohnform für Senioren, denen ein herkömmliches Haus aufgrund des Instandhaltungs- und Reinigungsaufwandes zu groß ist. Auch Kleinhäuser, die barrierefrei gestaltet sind, sind mittlerweile erhältlich.

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