Barrierefreie Badplanung

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Grundsätzliches zur barrierefreien Badplanung

Ein barrierefreies Bad erfordert mehr Grundfläche als ein konventionelles Bad gleicher Ausstattung, in dem der Flächenverbrauch durch eine sinnvolle Anordnung der Sanitärobjekte optimiert ist. Der Grund hierfür liegt in dem zusätzlichen Platzbedarf, den ein Rollstuhlfahrer oder eine Person mit einem Rollator für die Durchführung der Bewegungsabläufe im Bad benötigt. Gerade im konventionellen Wohnungsbau, in dem das Bad in erster Linie als ein Nutzraum angesehen wird, der nur dem Zweck der Körperhygiene dient, sind allerdings platzsparende Lösungen gefordert. Andernfalls wird die restliche Wohnfläche unnötig eingeschränkt.

Barrierefreies Bad in modernem Design © Jörg Lantelme, fotolia.com
Barrierefreies Bad in modernem Design © Jörg Lantelme, fotolia.com

Die tatsächliche Raumabmessung eines barrierefreien Bades wird bestimmt durch die Größe und Anzahl der Sanitärobjekte, die benötigten Bewegungsflächen und durch die Abstände der einzelnen Ausstattungselemente zueinander. Optimiert man die Größe der erforderlichen Bewegungsflächen und -räume durch deren Überlagerung und mithilfe einer effizienten Anordnung der Sanitärobjekte, lassen sich die Raumabmessungen eines barrierefreien Bades minimieren.
Unablässig für die Planung ist ein Blick in die aktuelle Norm zum barrierefreien Bauen. Diese stellt Anforderungen an die Gestaltung von Sanitärräumen, geht aber auch im Detail auf die einzelnen Sanitärobjekte ein.

Die allgemeinen Planungsanforderungen für barrierefreie Sanitärräume im Wohnungsbau aus der Norm lauten sinngemäß:

  • in barrierefreien Wohnungen mit mehr als einem Sanitärraum muss hiervon mindestens einer barrierefrei nutzbar sein
  • Drehflügeltüren müssen aus Sicherheitsgründen immer nach außen aufschlagen
  • die Wände müssen im Dusch- und WC-Bereich bauseits so ausgebildet werden, dass Stütz- und Haltegriffe im Bedarfsfall nachgerüstet werden können
  • barrierefreie Bäder benötigen vor den einzelnen Sanitärobjekten Bewegungsflächen von 120 cm x 120 cm bzw. von 150 cm x 150 cm in rollstuhlgerechten Bädern. Diese dürfen sich überlagern
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Bewegungsabläufe eines Rollstuhlfahrers im Bad

Um zu verstehen, wie ein barrierefreies Bad geplant und ausgeführt werden sollte, ist es hilfreich, sich in einem ersten Schritt die Bewegungsabläufe eines Menschen mit Mobilitätseinschränkungen in einem solchen Bad zu vergegenwärtigen. Zu den wichtigsten Bewegungen zählen das Öffnen und das Schließen der Tür, das Rangieren im Bad, um von einem Sanitärobjekt zum anderen zu gelangen sowie das Umsetzen vom Rollstuhl auf das WC oder den Duschsitz. Durch die hierfür benötigten Einstiegshilfen und Aufrichtungshilfen sowie Sitzgelegenheiten entsteht in einem barrierefreien Bad zusätzlicher Platzbedarf. Dieses großzügige Raumangebot kommt nicht nur Rollstuhlfahrern zugute, sondern auch Personen, die auf Gehhilfen angewiesen sind. Auch sie sind in vielen Fällen auf die Verrichtung der Körperhygiene in der Sitzposition angewiesen. Jeder Bewegungsablauf stellt dabei spezielle Anforderungen an die Abmessung und Ausstattung des Bades. Der Platzbedarf beim Umsteigen vom Rollstuhl auf den Duschsitz oder das WC, auch Transfer genannt, machen dies deutlich. Während einige Rollstuhlfahrer das frontale Umsetzen auf das WC aufgrund ihrer körperlichen Verfassung bevorzugen, führen andere die notwendigen Bewegungen von der linken oder rechten Seite aus durch.

Transfer auf Duschsitz  © Andrea Arnold, fotolia.com
Transfer auf Duschsitz © Andrea Arnold, fotolia.com

Beim Umsetzen von der Seite fährt der Rollstuhlfahrer rückwärts in die dafür vorgesehene seitliche Fläche neben dem WC hinein. Rechts und links der Toilette sind als Stützhilfe für den Transfer ausklappbare Stützgriffe angebracht. Den Griff, der sich zwischen der seitlichen Stellfläche und dem WC befindet, klappt der Rollstuhlfahrer hoch und kann sich so mithilfe des anderen Stützgriffes vom Rollstuhl auf den WC-Sitz ziehen. Der hochgeklappte Stützgriff wird im Anschluss wieder in die horizontale Ausgangsposition gebracht und dient zum Festhalten während des Toilettengangs. Ähnlich erfolgt das Umsetzen vom Rollstuhl auf den Duschsitz.

Optimierte Anordnung der Sanitärobjekte in einem barrierefreien Bad

Die Erläuterung zu den Bewegungsabläufen eines Rollstuhlfahrer in einem Bad machen deutlich, dass die Anordnung von Bewegungsflächen die Grundlage einer barrierefreien Badgestaltung bildet. Kompakt gehaltene Badgrundrisse ergeben sich durch die Überlagerung oder Doppelnutzung dieser Flächen sowie einer optimierten Aufstellung der Sanitärobjekte.

Barrierefreies Bad mit Dusche übereck © upixa, fotolia.com
Barrierefreies Bad mit Dusche übereck © upixa, fotolia.com

Im Einzelnen kann ein barrierefreies Bad folgendermaßen ausgeführt werden:

Zur Ausstattung gehören eine barrierefreie Dusche, ein barrierefreies WC und ein unterfahrbarer Waschtisch. Vor jedem dieser Objekte wird von der Norm zum barrierefreien Bauen eine Bewegungsfläche von 120 cm x 120 cm in einem barrierefreien Bad und von 150 cm x 150 cm in einem rollstuhlgerechten Bad gefordert. Ordnet man den Duschbereich übereck gegenüberliegend zur Badtür an, ergibt sich im Ganzen eine besonders platzsparende Lösung. Das WC samt der Stützgriffe und der Waschtisch lassen sich in diesem Fall jeweils direkt neben der in Größe der geforderten Bewegungsfläche ausgeführten Dusche anordnen ohne, dass zusätzliche Abstände hierzu erforderlich sind. In diesem Fall sind lediglich zu den Seitenwänden neben dem WC und dem Waschtisch Abstände erforderlich.

Barrierefreies Badezimmer © Villeroy & Boch
Großes Bad mit unterfahrbarem Waschtisch © Villeroy & Boch

Hierdurch ist es auch möglich, die Fläche des Duschbereichs zum Umstieg auf die Toilette zu nutzen. Voraussetzung ist die Ausführung des Duschbereichs ohne Schwelle, also als sogenannte bodengleiche Dusche. Eine zusätzliche Bewegungsfläche ist direkt hinter der Tür erforderlich und grenzt an die Vorderkante des WC-Beckens und des Waschtisches. Sie wird für den Bewegungsablauf zum Öffnen und Schließen der Tür vom Innenraum heraus und zum Rangieren zwischen den einzelnen Sanitärobjekten benötigt. Beide Bewegungsflächen, die des Duschbereiches und die vor der Tür, dürfen sich überlagern.

Tipps zur Bauweise und Ausstattung in einem barrierefreien Bad

Wie ein Bad aussehen soll, das richtet sich auch immer nach den aktuellen Trends und Entwicklungen im Baddesign sowie dem persönlichen Geschmack und den individuellen Bedürfnissen des Bewohners. Ähnlich der barrierefreien Küchenplanung kommt einer detaillierten Planung der Sanitär- und Elektroinstallation in einem barrierefrei gestalteten Bad eine hohe Bedeutung zu, da diese sich zu einem späteren Zeitpunkt nur mit sehr viel Aufwand umverlegen lassen. Zu empfehlen ist die Ausführung der Installationswände als Vorwandinstallation. Diese vorgestellten Wandsysteme in Trockenbauweise bieten Spielraum zur Führung der Rohrleitungen und dienen gleichzeitig der Aufnahme von vorgefertigten Montagelementen, die später die einzelnen Sanitärobjekte aufnehmen. Werden die Vorwände am Waschtisch nur halbhoch ausgeführt, können sie als zusätzliche Ablagefläche dienen. Sicherheit und Komfort spielen in einem barrierefreien Bad ebenfalls eine wichtige Rolle.

Folgende Ausstattungsmerkmale kennzeichnen ein barrierefreies Bad:

  • rutschsichere Bodenbeläge
  • pflegeleichte und robuste Materialien
  • Erreichbarkeit und Erkennbarkeit von Armaturen und Bedienelementen aus der jeweiligen Sitzposition heraus
  • berührungslose Armaturen oder Einhebelmischarmaturen erleichtern die Bedienung von Duschbrause und Wasserhahn
  • Schutz vor Verbrühen mit Heißwasser durch Begrenzung der Auslauftemperatur an den Wasserhahn und Duschbrause auf 45 °C
  • Fenster zum Lüften, das auch für einen Rollstuhlfahrer aus der Sitzposition selbstständige geöffnet werden kann
Tipp: Ein Online-Glossar zum Stichwort barrierefreies Bad, der viele Fachinformationen sowie aktuelle Neuigkeiten aus dem Bereich barrierefreie Badgestaltung liefert, bietet die Initiative Aktion barrierefreies Bad auf ihrer Website. Initiatoren sind der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZSHK) und die Vereinigung deutsche Sanitärwirtschaft e.V. (VDS).
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